Innovation fördern und Digitalisierung vorantreiben

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen schreitet seit mehreren Jahren stark voran: Viele Krankenkassen und Unternehmen wollen mit modernen Informations- und Kommunikationstechnologien den Anforderungen von Leistungserbringern und Versicherten begegnen und so die Gesundheitsversorgung verbessern. Vor allem im zweiten Gesundheitsmarkt, der nicht über die GKV finanziert wird, hat die Dynamik der Entwicklungen deutlich zugenommen. Aber auch die für die Gesundheitsversorgung zuständigen Akteure haben erkannt, dass der Digitalisierungstrend im Gesundheitswesen mehr bedeutet als strukturelle Prozesslenkung, wie etwa die Umsetzung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) oder die Vernetzungsbestrebungen der Leistungserbringer. Allerdings müssen hierfür die notwendigen Rahmenbedingungen erst noch geschaffen werden. 

Technische Neuerungen und medizinischer Fortschritt werden von vielen nur als Kostentreiber gesehen. Der substitutive Charakter von Innovationen kommt zu wenig zum Tragen. Spielräume für Innovationen werden von den Aufsichten beschnitten. Gleichzeitig wird zu wenig und ungezielte Versorgungsforschung betrieben. Daran wird auch der aufgelegte Innovationsfonds nichts ändern.

Digitalisierung nutzen

  • Die Kommunikation im Gesundheitswesen muss an das digitale Zeitalter angepasst werden. Bereits 2013 hat das E-Government-Gesetz die Voraussetzungen für eine zeit- und ortsunabhängige Verwaltung geschaffen. Es braucht einen klaren und verbindlichen Rechtsrahmen, der es auch den gesetzlichen Krankenversicherungen ermöglicht, einfachere, nutzerfreundlichere und effizientere elektronische Verwaltungsdienste nach Maßgabe des E-Government-Gesetzes anzubieten. Die Regelungen in den Sozialgesetzbüchern sind im Interesse der Kommunikation und der digitalen Aktenführung entsprechend zu gestalten. So werden beispielsweise durch die Trennung von ärztlichen Leistungen und ärztlich verordneten oder veranlassten Leistungen in § 305 Abs. 1 SGB V eine digitale Aktenführung und die Kommunikation mit dem Versicherten erschwert. Die Regelung ist daher nicht mehr zeitgemäß.
  • Die Digitalisierung des Gesundheitswesens birgt viele Chancen für eine qualitativ hohe, bundesweite Versorgung. Zugleich eröffnen sich den Kassen neue Servicemöglichkeiten für ihre Versicherten. Deshalb ist eine aktive Digitalisierungsstrategie erforderlich, die nicht nur auf die eGK beschränkt sein darf.
  • Aktuell existieren mehr als 100.000 Health-Apps. Problematisch ist, dass der Markt rasant und unübersichtlich wächst. Viele der neuentwickelten Anwendungen gehören in den Bereich der Wellness-Angebote. Nur wenige mobile Health-Apps sind tatsächlich geprüft. Zweifelsohne bedarf es mehr Klarheit bei der Klassifizierung von Apps: Versicherte müssen trennscharf zwischen Service-Lifestyle-Apps und Apps mit Funktion als Medizinprodukt unterscheiden und bewusst wählen können.
  • Vor dem Hintergrund der Vielzahl an Angeboten müssen diese zum Schutz der Versicherten auf ihre Zweckmäßigkeit und Sicherheit geprüft werden. Diese unabhängige Prüfung sollte durch eine Benannte Stelle erfolgen. Die Versicherten müssen transparente Informationen über die gewonnenen Erkenntnisse der Nutzen- und Schadenspotenziale erhalten.
  • Der Markt der eHealth-Angebote ist für alle Zielgruppen (Versicherte, Krankenkassen, Leistungserbringer) aufgrund fehlender einheitlicher Qualitätskriterien und Standards intransparent. Hier muss die Sicherheit für alle Akteure durch entsprechende Anforderungen deutlich erhöht werden. 
  • Bislang werden im Rahmen der Digitalisierung Anwendungen und Telematik-Infrastruktur (TI) immer noch getrennt voneinander betrachtet. Eine Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung der Digitalisierung im Gesundheitswesen ist aber das reibungslose Ineinandergreifen von Datenstrukturen und Applikationen. Daher müssen die bestehenden Schnittstellen zukünftig eine stärkere Beachtung finden.
  • Die TI muss als integrative Plattform für Versicherte, Leistungserbringer und Kostenträger weiter ausgebaut werden. Dreh- und Angelpunkt der Digitalisierung im Gesundheitswesen ist der Umgang und Schutz von personengebundenen Daten. Hier ist die Politik in der Pflicht, juristische Rahmenbedingungen zu schaffen, die einerseits Sicherheit für alle Akteure bieten, andererseits aber die Potenziale der Digitalisierung nicht beschränken.

Innovation fördern und als Investition begreifen

  • Prozess-, Struktur- und Produktinnovationen müssen transparent und schnell evaluiert werden, damit sie zeitnah, bedarfsgerecht und zu einem angemessenen Preis zur Verfügung gestellt werden können.
  • Es muss möglich sein, den Leistungskatalog in Bezug auf Leistungen, die nicht mehr dem aktuellen Standard entsprechen, zu bereinigen. Die heutige Struktur des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) lässt dies faktisch nicht mehr zu, nachdem mit dem Versorgungsstrukturgesetz eine 2/3-Mehrheit für solche Entscheidungen eingeführt wurde. Dies ist zurückzunehmen.
  • Der Verbotsvorbehalt im stationären Sektor muss flankiert werden durch ein Instrument der Evidenzschaffung und -sicherung. 
  • Die Nutzenbewertung von innovativen Prozessen und Strukturen sowie von Produkten im Bereich der Arzneimittel und Medizinprodukte ist notwendig, um eine qualitätsgesicherte Weiterentwicklung der Versorgung sicherzustellen. Im Arzneimittel-Bereich hat sich das Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) bewährt, muss aber im Sinne einer Nutzenorientierten Erstattung (NOË) weiterentwickelt werden. Nutzenorientierung muss sich auf die patientenrelevanten Endpunkte beziehen. Dafür ist es notwendig, dass neben den klinischen Studien gezielt Versorgungsstudien durchgeführt werden.
  • Im Bereich der Medizinprodukte sollten die gleichen Anforderungen wie für Arzneimittel gelten.

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