Versorgung stärken und verbessern

Die Bundesregierung hat in der vergangenen Legislaturperiode viele Gesetzesinitiativen gestartet, die zum Ziel hatten, die Versorgung zu stärken – im ambulanten und im stationären Bereich, bei Hospizen sowie in der Prävention und der Pflege. Zudem wurde vermittelt, dass der Qualitätsgedanke mehr Raum in der Versorgung erhalten soll. Dies ist durchaus zu würdigen. Viele der sinnvollen Ideen, die hinter den Regelungen standen, wurden allerdings zugunsten von Ärzten und Krankenhäusern sowie durch halbherzige Qualitätsanforderungen entwertet.

Zudem wurde verpasst, endlich die dringend erforderlichen Strukturanpassungen vorzunehmen. Noch immer ist das deutsche Gesundheitswesen geprägt durch die voneinander abgeschotteten Sektoren, an deren Grenzen unnötige Ressourcen verschwendet werden. Hier bedarf es mutiger Schritte hin zu einem aufeinander abgestimmten Versorgungskonzept.

Sektorengrenzen überwinden

  • Die von der Bundesregierung in der 18. Legislaturperiode unternommenen Anstrengungen, Qualitätsaspekten und der sektorenübergreifenden Versorgung mehr Bedeutung zu geben, sind nicht abgeschlossen und bedürfen weiterer Bemühungen der neuen Bundesregierung.
  • Ziel muss es bleiben, die Prozesse, Strukturen, Vergütungen sowie den Datenaustausch und die Qualitätssicherungsmaßnahmen zwischen dem ambulanten und dem stationären Sektor anzugleichen. 
  • Der generalistisch ausgebildete Facharzt für Allgemeinmedizin verliert gegenüber den hochspezialisierten Fachärzten an Bedeutung. Dieser Entwicklung ist entgegenzuwirken. Für die Innungskrankenkassen ist eine gute hausärztliche Versorgung ein wichtiges Element einer effizienten und guten Leistungserbringung.
  • Die Zukunft der ambulanten Versorgung findet in ambulanten Versorgungszentren statt. Daher fordern die Innungskrankenkassen eine Aufwertung von Medizinischen Versorgungszentren sowie deren forcierte Einrichtung.
  • Die Herausforderungen der Versorgung insbesondere im ländlichen Raum machen einen Ausbau von Delegation und auch Substitution von ärztlichen Leistungen notwendig. Angesichts der zunehmenden Spezialisierung der Ärzte, des Fachkräftemangels und der demografischen Entwicklung ist es notwendig, aus gewohnten Bahnen auszubrechen. Der Arztvorbehalt und das Fernbehandlungsverbot sind zu überdenken, um sowohl Substitution als auch Telemedizin möglich zu machen.
  • Die Ausbildung der Gesundheits- und Pflegeberufe aber auch der Gesundheitshandwerke ist entsprechend der gezeichneten Entwicklung an die neuen Anforderungen anzupassen.
  • Im Zentrum der Versorgung muss der Teamgedanke stehen, das Team besteht aus ärztlichen, nicht ärztlichen, pflegerischen und gesundheitshandwerklichen Berufsgruppen. 
  • Die stationäre Versorgung hat durch das verabschiedete Krankenhausstrukturgesetz neue Impulse erhalten. Gut gemeint ist aber nicht immer gleich gut gemacht. Viele Regelungen erweisen sich in der Umsetzung als zu kompliziert. Der ursprüngliche Gedanke ist wieder aufzugreifen: Vermeidung von Unter- und Überversorgung, Verbesserung der Investitionsfinanzierung und die Förderung von mehr Behandlungsqualität.
  • Die Krankenkassen müssen mehr Möglichkeiten erhalten, die Versorgung ihrer Versicherten qualitätsorientiert zu steuern.
  • Der IKK e.V. fordert die Schaffung eines rechtssicheren ordnungspolitischen Rahmens, innerhalb dessen Krankenkassen oder ihre Verbände Selektivverträge mit niedergelassenen Ärzten, mit Kliniken, aber auch mit Arzneimittelherstellern schließen können, um über Preise, Qualität und Mengen zu verhandeln.

Prävention ausbauen – Krankheiten vermeiden

  • Gesundheit und Prävention müssen in allen Politikbereichen verankert sein, um der gesamtgesellschaftlichen Bedeutung gerecht zu werden.
  • Für die Innungskrankenkassen haben sich Bonusprogramme bewährt. Sie sind ein wichtiges Instrument, um die Eigenverantwortung der Versicherten und ihre individuellen Präventionsbemühungen zu fördern. Der Nutzen von Individualmaßnahmen ist zudem wissenschaftlich belegt. Krankenkassen müssen auch deshalb weiterhin zielgerichtete Angebote für Individualprävention beibehalten dürfen.
  • Der Stellenwert von Gesundheitsförderung und Prävention muss im Rahmen der Pflege weiter verbessert werden. Nachdem im stationären Bereich Prävention gefördert wird, fordern die Innungskrankenkassen eine Ausweitung auf die ambulante Pflege.

Qualität und Transparenz – beides gehört untrennbar zusammen

  • Die Leistungen der medizinischen und pflegerischen Versorgung müssen transparent gemacht werden und vergleichbar sein. Informationen hierüber müssen den Versicherten und seinen Angehörigen objektiv sowie barrierefrei zur Verfügung gestellt werden. 
  • Das gilt insbesondere für Pflegeeinrichtungen und ambulante Pflegedienste: Die jetzigen Pflegenoten sind hinsichtlich der Pflegequalität grob irreführend. Die erkannten Probleme mit der jetzigen Pflegetransparenz-Vereinbarung sind deshalb schnellstmöglich zu beheben. 
  • Die Möglichkeiten der Entlastungspflege sind erfreulicherweise ausgebaut worden. Das Angebot an zusätzlichen Betreuungs- und Entlastungsleistungen für pflegende Angehörige muss aber transparenter gestaltet werden. Auch hier gilt es, aussagekräftige Qualitätskriterien zu entwickeln.
  • Im Bereich der ambulanten Versorgung bestehen Daten, die Rückschlüsse auf die Versorgungsqualität erlauben, die aber für den Patienten nicht transparent gemacht werden. Die Innungskrankenkassen fordern, dass diese Daten der Öffentlichkeit vom Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) zur Verfügung gestellt werden.

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