Die eGK-Kosten-Uhr

So teuer* kommt uns die elektronische Gesundheitskarte

 

Die elektronische Gesundheitskarte

Ziel der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) und der damit verbundenden einrichtungsübergreifenden, modernen IT-Struktur im Gesundheitswesen ist es, einen sicheren Datenaustausch von medizinischen und versichertenbezogenen Daten zu schaffen.

Damit könnten in der Zukunft z. B. in einer elektronischen Patientenakte Behandlungsergebnisse und Röntgenbilder abrufbar gemacht werden, um unnötige Doppeluntersuchungen zu vermeiden. Die Speicherung von Notfalldaten (Allergien etc.) und von verordneten Arzneimitteln würde die Sicherheit für Patienten deutlich erhöhen.

Als Ausgangspunkt für die Entwicklung der eGK in Deutschland gilt nicht zuletzt der Lipobay-Skandal aus dem Jahr 2001. Damals war durch eine mangelnde Dokumentation der Medikation die Todesursache der betroffenen Patienten lange Zeit unklar.

Gesetzlich verankert wurde die Einführung der eGK mit dem Gesundheitsmodernisierungsgesetz (GMG) 2004:

 Die gesetzlichen Krankenkassen wurden zum 1. Januar 2006 verpflichtet, neue elektronische Gesundheitskarten auszuhändigen. Die Einführung der eGK erfolgte stufenweise ab dem 1. Oktober 2011. Ende 2014 läuft der gesetzlich verankerte Übergangszeitraum von KVU zur eGK aus. 

In einem ersten Schritt ist zu den klassischen Daten der alten Krankenversicherungskarte (KVK) ein Foto als Identifikationsmöglichkeit hinzugekommen, um einen Missbrauch der Karte zu verhindern. Doch das eigentlich Innovative der eGK wird erst durch die datenschutzrechtlich gesicherte dezentrale Speicherung von medizinischen Informationen erschlossen.

Mit der Konzeption und Umsetzung des Projektes wurde die Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH (kurz: gematik) betraut, deren Gesellschafter die Interessensvertretungen der Leistungserbringer und der Kostenträger der Selbstverwaltung sind. Um den Austausch von Versicherten, Leistungserbringern und Kostenträgern zu ermöglichen, wurden in Krankenhäusern, Zahnarzt- und Arztpraxen neue Kartenterminals installiert.

Illustration: Eine Gesundheitskarte liegt auf einem Überweisungsschein.
Hier finden Sie interessante, nutzwertige und auch überraschende Zahlen zum Thema elektronische Gesundheitskarte  

Doch welcher Fortschritt wurde mit der eGK tatsächlich realisiert?

Knapp zehn Jahre später haben die GKV-Versicherten flächendeckend eine neue Gesundheitskarte – mit der Innovation, dass sie nun zur Identifizierung des Versicherten dessen Lichtbild trägt. Von den Funktionen wie Versichertenstammdaten-Management, elektronischer Arztbrief oder Arzneimitteltherapie-Sicherheitsüberprüfung ist die Karte noch weit entfernt. Dabei sollten sie laut ursprünglichem Projektplan längst realisiert sein. Die eGK hat derzeit also weder für die Versicherten noch für die Krankenkassen einen Mehrwert!

 

 

konkret

Forderungen des IKK e.V. zur eGK an den Gesetzgeber und die Beteiligten

Die Innungskrankenkassen sehen bei der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) dringenden Handlungsbedarf. Die eGK hat aufgrund der noch fehlenden Online- Anbindung keinen aktiven Nutzen für die Versicherten. Lediglich durch das Lichtbild kann im Vergleich zur alten Krankenversicherungskarte besser dem Missbrauch von Leistungen vorgebeugt werden. Wirklicher Nutzen für die Versicherten entsteht flächendeckend voraussichtlich nicht vor 2017. 

Der Gesetzgeber hat es in der Hand, im Rahmen des geplanten eHealth-Gesetzes die Voraussetzungen für eine erfolgreiche und wirtschaftlich vertretbare Einführung einer Telematik-Infrastruktur mit Mehrwert für die Versicherten zu schaffen. 

1) Verbindliche Bedingungen

Der IKK e.V. fordert von der Bundesregierung, verbindliche Rahmen- und Organisationbedingungen für die Einführung einer elektronischen Gesundheitskarte zu setzen. 

2) eGK mit Mehrwert realisieren

Es muss das erklärte Ziel der Bundesregierung sein, endlich eine eGK mit einem hohen Mehrwert für die Versicherten und die Kassen / Leistungserbringer zu schaffen und das Projekt mit allen Mitteln konsequent und rasch zu realisieren.

3) Blockade beenden

Die Innungskrankenkassen erwarten von den Leistungserbringern, die Online-Anbindung nicht weiter zu blockieren, sondern die zügige Erprobung und Umsetzung einer Telematikinfrastruktur im deutschen Gesundheitswesen proaktiv zu begleiten. 

4) Verpflichtende, enge Zusammenarbeit

Anders als bei den existierenden Bestandsnetzen der Leistungserbringerorganisationen (z. B. KV-SafeNet) gewährleistet die enge Zusammenarbeit von gematik, BSI und BfDI ein höchstes Maß an Datenschutz und Informationssicherheit. Die die Telematikinfrastruktur (TI) übergreifenden Sicherheitsleistungen können nur nach einem einheitlichen für alle an einer Online-Infrastruktur Beteiligten geltenden Informationssicherheitskonzept erbracht werden. Ein kostenintensiver, datenschutzrechtlich kritischer Parallelbetrieb von Netzen ist nicht hinnehmbar.

Sollten die Leistungserbringer hierzu nicht bereit sein, fordern wir den Gesetzgeber auf, entsprechende gesetzliche Verpflichtungen zu schaffen.

5) Entscheidungsstrukturen verändern

Die Innungskrankenkassen plädieren für veränderte Entscheidungsstrukturen der gematik und die Einsetzung eines allein verantwortlichen Entscheiders. Obwohl die GKV Alleinfinanzierer des Projektes ist, verfügt die GKV nur über 50 Prozent Stimmanteil.

Die so oft kompromissbegründeten Entscheidungen sind politisch zwar akzeptabel, fachlich jedoch meist nicht die besten Vorschläge. Das treibt wiederum die Kosten in die Höhe.

Downloads

GKV-SV zur eGK

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV-SV) zum Thema elektronische Gesundheitskarte (eGK)

Weiterlesen

Liebe Besucherin, lieber Besucher,
wir verwenden auf unserer Seite Cookies, um unser Angebot verbessern zu können. Wenn Sie unsere Website weiterhin nutzen, ohne Ihre Einstellungen anzupassen, gehen wir davon aus, dass Sie mit dieser Erhebung einverstanden sind. Anderenfalls können Sie Ihre Einstellungen anpassen, um Ihre Seitenbesuche nicht auswerten zu lassen.