Neue Impulse für die Versorgung auf dem Land durch COVID-19?

Im Moment nimmt der COVID-19-Ausbruch Deutschland und die ganze Welt in Beschlag. Unser aller Ziel muss zunächst sein, diese außergewöhnliche Situation mit möglichst geringen Schäden für die Gesundheit und das soziale Wohl aller Menschen zu bewältigen.

Nach Überwindung der akuten Auswirkungen der Pandemie werden sich viele Fragen stellen, die auch die (Neu-) Organisation der Gesundheitsversorgung in Deutschland betreffen. Die Debatte wird sich sicherlich auf die Ausstattung von öffentlichem Gesundheitsdienst und Krankenhäusern richten. Hoffentlich gibt es aber auch neue Facetten in den Diskussionen über die wichtige Rolle von professionell Pflegenden, den Einsatz von digitalen Technologien und das Vorantreiben von echten intersektoralen Versorgungsansätzen. Einiges, wie etwa der Einsatz telemedizinischer Sprechstunden, wird bis dahin vielleicht schon großflächig erprobt und in der täglichen Nutzung weiterentwickelt sein. Dennoch wird es eine Aufgabe der Versorgungsforschung bleiben, den Nutzen dieser neuen Praktiken zu bewerten. Und auch verschiedene regulatorische Vorstöße hinsichtlich der freien Berufsausübung und Nutzung von Patient*innendaten werden eine intensive professionelle und gesellschaftliche Diskussion erfordern!

Die Organisationsforschung zeigt, dass Krisen das Potential für grundlegenden Wandel und disruptive Innovation haben. Das gilt sowohl für die Praktiken von und in einzelnen Organisationen wie Arztpraxen, Krankenhäusern, Kassenärztlichen Vereinigungen und Pflegediensten als auch ihre Interaktion untereinander sowie mit der Umwelt. Vielleicht wird COVID-19 zu einem Beschleuniger für Innovationen, die in Deutschland bisher nur im Startblock verharrten: Der breite Einsatz von Digital Health, ein echter Kompetenz- und Verantwortungszuwachs für professionell Pflegende und die Einführung von Strukturen und Budgets, die eine umfassende integrierte Versorgung im ländlichen Raum ermöglichen.

Ich wünsche uns allen, dass wir die Kreativität und die neu geschaffenen Kooperationen, die sich zur Eindämmung von COVID-19 entwickeln, auch zum erfolgreichen Durchdenken und Implementieren von neuen, disruptiven Versorgungsmodellen in ländlichen Regionen nutzen können. 

Zur Person

Dr. Carolin Auschra

Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Professur für Unternehmenskooperation, Freie Universität Berlin