23.06.2016   Mitglieds-IKKn

IKK Südwest fordert mehr Fairness für die Versicherten: „Regionalfaktor geht alle an“

Saarbrücken, 23. Juni 2016 - Regional unterschiedliche Versorgungskosten sorgen für ungerechte Belastungen der Beitragszahler in der gesetzlichen Krankenversicherung. Der morbiditätsorientierte Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA) hat eigentlich die Aufgabe, Einnahmen und Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen fair auszugleichen. An dieser Stelle versagt er allerdings, besonders betroffen sind auch Krankenkassen im Südwesten. Die IKK Südwest fordert deshalb im Rahmen einer Reform des Morbi-RSA unter anderem die Einführung einer Ausgleichskomponente der regionalen Ausgabenstrukturen, um mehr Fairness ins Gesundheitswesen zu bringen. Dies bestätigt ein aktuelles Gutachten, das heute in Berlin vorgestellt wird.

 

„Wir sehen deutliche Verwerfungen im Risikostrukturausgleich: Viele Kassen schultern die Last. Aber einige Kassen haben aufgrund glücklicher Zufälle zu deutliche Vorteile, die meist etwas mit regionalen Strukturen zu tun haben, und sind außen vor“, sagt Roland Engehausen, Vorstand der IKK Südwest. Von „fairer Verteilung“ sei dies weit entfernt. Betroffen seien auch die Ballungsräume im Südwesten, wo viele Versicherte der IKK Südwest leben. Aufgrund regional verschiedener Versorgungsstrukturen (z.B. Krankenhaus-Landschaft) und Ausgabenstrukturen (regionales Preisniveau), auf die die Krankenkassen keinen direkten Einfluss haben, müsse hier dringend eine Ausgleichskomponente eingeführt werden. „Beim 100%-Ausgleich der regional unterschiedlichen Kaufkraft auf der Einnahmenseite wurde die Berücksichtigung unterschiedlicher regionaler Ausgabenstrukturen schlicht vergessen“, so Engehausen weiter.

 

Dies belegt ein aktuelles Gutachten der Professoren Prof. Dr. Volker Ulrich, Prof. Dr. Eberhard Wille und Prof. Dr. Gregor Thüsing im Auftrag des Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege in Bayern, das heute in Berlin vorgestellt wird. Dieses „Gutachten zur Notwendigkeit einer regionalen Komponente im Morbi-RSA“ zeigt deutlich, dass beim Finanzausgleich zwischen den Krankenkassen dringender Reformbedarf besteht. Es weist nach, dass regional unterschiedliche Kostensituationen maßgeblich durch Faktoren verursacht werden, die von den Krankenkassen nicht beeinflusst werden können. Diese Unterschiede müssen über den Morbi-RSA ausgeglichen werden, lautet die Schlussfolgerung der Wissenschaftler.

 

Die IKK Südwest begrüßt dieses Gutachten und sieht sich in ihren Forderungen bestärkt. „Ein fairer Regionalfaktor geht alle an“, fordert Roland Engehausen. „Dies ist kein Thema nur für Bayern, sondern wichtige Grundlage für eine faire regionale Einnahmen- und Ausgabenbalance, um überall in Deutschland gute Versorgung zu fairen Beiträgen für die Versicherten sichern zu können.“

 

Hintergrund: Beispiel für regionale Kostenunterschiede

 

Es sind nicht nur die großen Ausgabenbereiche wie etwa die Krankenhausversorgung, die regional unterschiedlich sind. Ein kleines praktisches Beispiel zeigt ebenfalls sehr anschaulich die regionalen Unterschiede: Die vertraglichen Erstattungssätze der Innungskrankenkassen beim Verdienstausfall bei Haushaltshilfe betragen in Mecklenburg-Vorpommern beispielsweise 12,85 Euro/Stunde, während in Rheinland-Pfalz mit 29,03 Euro/Stunde gerechnet wird.