17.12.2019   Mitglieds-IKKn

Online-Therapie deprexis® nutzt Patient, Arzt und Krankenkasse

Mithilfe des innovativen Online-Therapieprogramms deprexis®* soll der Behandlungserfolg bei Patienten mit leichter bis mittelschwerer Depression beim Übergang vom stationären in den ambulanten Bereich gefestigt werden. Dieses Pilotprojekt zum erweiterten Entlassmanagement Psychiatrie haben BIG direkt gesund, die LWL-Klinik Dortmund und die Servier Deutschland GmbH vor gut einem Jahr initiiert. Nach den positiven Erfahrungen suchen die Beteiligten nun weitere Krankenkassen, die das Projekt unterstützen.
Bei der Info-Veranstaltung zum Entlassmanagement dabei (von links): Prof. Dr. Hans-Jörg Assion, Wissenschaftlerin Dr. Lotta Winter, Sabrina Kühn von Servier sowie Achim Beißel von der BIG direkt gesund (Foto: BIG direkt gesund/Stephan Schütze)

Dortmund, 17. Dezember 2019 - „Das Schnittstellenmanagement vom stationären in den ambulanten Bereich war schon immer ein Problem“, sagte Prof. Dr. Hans-Jörg Assion, Ärztlicher Direktor der Abteilung Allgemeine Psychiatrie 1 an der LWL-Klinik, am Montag (09.12.2019) vor Vertretern verschiedener Krankenkassen. Nach der Entlassung aus der Klinik entstünden für Patienten Wartezeiten bis zu einer ambulanten Weiterbehandlung. deprexis® setze an diesem Punkt an. Es sei ein seit vielen Jahren etabliertes und nachgewiesen wirksames Programm, das auf der kognitiven Verhaltenstherapie basiert.

Ziel: Weitere Kassen für Projekt gewinnen

„Es geht uns bei dem Pilotprojekt nicht um den Wettbewerb mit anderen Kassen, es geht uns darum, den Patienten in den Fokus zu stellen und möglichst viele Kassen für das sinnvolle Projekt zu gewinnen“, sagte Achim Beißel, Bereichsleiter stationäre Versorgung bei der BIG. Die BIG übernimmt für ihre Versicherten drei Monate lang die Kosten für die Online-Therapie sowie die Kosten für die Information und Schulung der Patienten während der letzten 14-Tage der stationären Behandlung. „Wenn die Krankenkasse dem Versicherten im Laufe einer ärztlichen Behandlung eine Zusatzleistung anbietet, entsteht beim Patienten oftmals eine Abwehrhaltung. Wenn hingegen ein Arzt oder eine Klinik das Angebot macht, wird es vom Versicherten viel besser angenommen“, weiß Beißel aus Erfahrung. Die Klinik wählt geeignete Patienten aus, „suizidale Patienten kommen nicht infrage“, so Prof. Assion. Die Hälfte der Betroffenen, denen die Ärzte der LWL-Klinik die Online-Therapie empfohlen haben, haben sie genutzt.

Projekt mit Kassenärztlicher Vereinigung Westfalen-Lippe

Auch die niedergelassenen Psychiater und Psychotherapeuten kennen und arbeiten mit deprexis®. Anbieter Servier hat mit der Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe ein weiteres Projekt initiiert, bei dem den niedergelassenen Fachärzten und Psychotherapeuten Lizenzen für das Medizinprodukt zur Verfügung gestellt werden. So wird die Akzeptanz des erweiterten Entlassmanagements auch in der ambulanten Nachbehandlung erreicht.

Wissenschaftlerin: „Wir benötigen moderne, flexible Therapieansätze“

Nach den Erfahrungen von Dr. Lotta Winter, Psychotherapeutin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie an der Medizinischen Hochschule Hannover, ist die Online-Psychotherapie eine wichtige Ergänzung im Versorgungsalltag. „Wir benötigen moderne, flexible Therapieansätze, die unabhängig von Ort, Zeit und Person funktionieren“, sagte sie. deprexis® sei die mit Abstand am besten wissenschaftlich evaluierte deutschsprachige Internet-Intervention zur Depressionsbehandlung. Die antidepressive Wirksamkeit und Sicherheit des aus zehn Modulen bestehenden Online-Therapieprogramms sei in zahlreichen randomisierten Studien belegt worden. 

Cockpit-Funktion ermöglicht Arzt die Begleitung ihrer Patienten

Das individualisierte und interaktive Programm sollte ein- bis zweimal wöchentlich für jeweils mindestens 30 Minuten genutzt werden. Die Cockpit-Funktion ermöglicht dem behandelnden Arzt bzw. Psychotherapeuten, beratend zu intervenieren und die Nutzung des Programmes in die reguläre ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung zu integrieren. Die Module decken Themen ab, die auch in der klassischen Verhaltenstherapie behandelt werden, zum Beispiel kognitive Aspekte der Depression, Entspannung, körperliche Aktivität oder soziale Kompetenz. „Der gut informierte Patient hat ein geringeres Rückfallrisiko“, unterstrich Prof. Assion. „Patienten finden das Angebot gut, Ärzte und Krankenhäuser finden es gut. Wir als Kassen finden es auch gut“, resümierte Achim Beißel.

*Vertrieb: Servier Deutschland GmbH, München; Hersteller: GAIA AG, Hamburg