Im Mittelpunkt standen die aktuelle politische und gesundheitspolitische Lage, die Zukunft der gesetzlichen Krankenversicherung und die Frage, wie eine gute Gesundheitsversorgung gesellschaftlichen Zusammenhalt und demokratische Stabilität stärken kann. Die Diskussionen und Vorträge machten deutlich, dass sich die aktuellen Herausforderungen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nicht mit punktuellen Maßnahmen lösen lassen. Sie erfordern nachhaltige Strukturreformen, eine verlässliche Finanzierung und das gemeinsame Engagement aller Beteiligten.
Hans-Jürgen Müller, Vorstandsvorsitzender des IKK e.V., stellte deshalb die fachkundige und engagierte Arbeit der konsentierten Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner sowie die vertrauensvolle Zusammenarbeit der Innungskrankenkassen mit dem IKK e.V. in den Vordergrund seiner Begrüßung. Gerade angesichts der Vielzahl gesetzgeberischer Vorhaben und der anhaltenden finanziellen Belastungen der GKV sei ein starkes, handlungsfähiges Netzwerk unverzichtbar. Die enge Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamt, die unmittelbare Verbindung zu den Versicherten und Arbeitgebern und die schlanke Struktur des IKK-Systems seien wichtige Voraussetzungen, um die Interessen von Versicherten und Arbeitgebern wirksam zu vertreten.
Mit Blick auf die gesundheitspolitische Lage machte Müller deutlich, dass die GKV weiter unter erheblichem Finanz- und Reformdruck stehe. Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz sei ein wichtiges Signal und verschaffe zunächst Entlastung. Es könne jedoch nur ein erster Schritt sein. Die strukturellen Ursachen der finanziellen Belastungen – insbesondere steigende Ausgaben, unzureichend refinanzierte versicherungsfremde Leistungen und ein zu langsamer Reformfortschritt – müssten konsequent angegangen werden. In diesem Zusammenhang wandte sich Müller gegen eine verkürzte Debatte über die Zahl der Krankenkassen: Fusionen allein lösten weder Finanzierungs- noch Versorgungsprobleme. Zusammenschlüsse sollten vielmehr aus eigener Initiative, wirtschaftlicher Stärke und im Rahmen verantwortungsvoller Selbstverwaltung entstehen. Diesen Aspekt führte Uwe Deh, Vorstand der IKK gesund plus, mit seinem Beitrag am nächsten Tag aus. Er ordnete die Fusion der IKK gesund plus und der IKK Brandenburg und Berlin als Beispiel für eigenverantwortliches Handeln innerhalb der Selbstverwaltung ein.
Einen weitergehenden Blick auf die gesellschaftliche Dimension des Gesundheitswesens eröffnete Susanne Jaritz, Leiterin des Referats Gesundheitspolitik im Bundeskanzleramt. In ihrem Vortrag „Gesundheit und Pflege als Demokratiefaktor“ betonte sie, dass eine stabile und verlässliche Gesundheitsversorgung weit über den unmittelbaren Versorgungsauftrag hinausgeht. Sie sei eine Voraussetzung für Vertrauen, Teilhabe und gesellschaftlichen Zusammenhalt – und damit auch für demokratische Stabilität.
Jaritz verwies zugleich auf die schwierige finanzielle Ausgangslage der GKV in den kommenden Jahren. Ab 2027 werde das System kaum noch über finanzielle Puffer verfügen. Die eingeleiteten Reformen und das Beitragssatzstabilisierungsgesetz seien deshalb wichtige Bausteine; nach der finanziellen „Grundsanierung“ müsse nun der „Innenausbau“ der GKV folgen. Einen zentralen Ansatz sah Jaritz in einer konsequenten Präventionspolitik. Deutschland habe hier erheblichen Nachholbedarf. Wirksame Prävention könne Gesundheit stärken und die GKV langfristig entlasten. Auch die Entbürokratisierung müsse entschlossen vorangebracht werden, damit mehr Zeit und Ressourcen in die Versorgung der Menschen fließen. Noch schwieriger als in der GKV sei allerdings die finanzielle Lage in der Sozialen Pflegeversicherung. Sie verwies auf die schwierigen Verhandlungen im Vorfeld zum Kabinettsbeschluss zum Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG).
Michael Weller knüpfte mit Erfahrungen aus seiner langjährigen Tätigkeit im Bundesgesundheitsministerium und beim GKV-Spitzenverband an diese Diskussion an. Sein Appell lautete, die Debatte um die Reform und Finanzierung der GKV nicht auf Kassenfusionen zu verengen, sondern die Versorgungssteuerung in den Mittelpunkt zu rücken. Die bisherige Versorgungslogik sei nicht ausreichend auf die Herausforderungen der kommenden Jahre vorbereitet. Weller plädierte daher für eine schrittweise Einführung eines Primärversorgungssystems, das Patientinnen und Patienten besser durch das System führe, Versorgung gezielter steuere und die Zusammenarbeit der Leistungsbereiche stärken könne. Die Innungskrankenkassen hätten hier aufgrund ihrer Nähe zum Handwerk und Mittelstand eine gute Ausgangsposition, um in Berlin Gehör zu finden.
Wie Prävention und innovative Versorgung im IKK-System bereits konkret umgesetzt werden, zeigten die vorgestellten Praxisbeispiele aus den Innungskrankenkassen. Das Schlaganfall-Vorsorgeprogramm „RhythmusLeben“ der BIG direkt gesund sowie Projekte der IKK classic im Rahmen des § 25b SGB V machten deutlich, dass die Innungskrankenkassen die anstehenden Herausforderungen nicht nur analysieren, sondern mit eigenen Ideen und Projekten aktiv gestalten. Diskutiert wurde in diesem Zusammenhang auch die mögliche Zusammenführung des § 25b SGB V mit dem § 68b SGB V.
Auch der Blick nach innen ins IKK-System kam nicht zu kurz. Jürgen Hohnl, Geschäftsführer des IKK e.V., stellte Perspektiven der Vereinsarbeit ab 2027 unter den aktuellen Rahmenbedingungen und der Zusammenarbeit mit der Kooperationsgemeinschaft unternehmensnaher Krankenkassen vor. Christopher Venus, Leitung Vertragspolitik und Recht, sowie Dr. Anne Forkel, Leitung Politik des IKK e.V., diskutierten mit den Netzwerkern die Optimierung des Stellungnahmeprozesses, auch vor dem Hintergrund der kurzen Fristen.
Das Treffen in Erkner hat erneut gezeigt, wie wertvoll der persönliche und fachübergreifende Austausch im IKK-Netzwerk ist. Die konsentierten Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner tragen mit ihrer Erfahrung, ihrem Know-how und ihrem Engagement wesentlich dazu bei, Positionen zusammenzuführen und die Arbeit des IKK e.V. wirksam zu unterstützen. Gerade in bewegten Zeiten bleibt dieses vertrauensvolle Miteinander eine große Stärke des IKK-Systems


